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Thema des Tages
Thema des Tages von Gestern den 22.10.2020 - (neu um 11 Uhr)
  Kleine Synoptikkunde (5) - Baroklinität  
     
  Baroklinität ist ein wesentlicher Antrieb für unser Wettergeschehen. Was sich dahinter verbirgt, erklären wir heute in einem neuen Kapitel der Kleinen Synoptikkunde.

Temperatur- und Druckunterschiede spielen eine zentrale Rolle für unser Wetter. Ohne diese Unterschiede wäre es geradezu sterbenslangweilig in unserer Atmosphäre, denn es herrschte jeden Tag das gleiche Wetter, und unsere tägliche Arbeit wäre obsolet. Zum Glück ist dem aber in der Realität nicht so. Die Ursache für Druck- und Temperaturunterschiede sind äußerst vielfältig und wurden zum Teil schon in den bereits erschienenen Kapiteln der Kleinen Synoptikkunde angerissen.

Betrachtet man nun eine Fläche konstanten Drucks in der Atmosphäre (z.B. 500 hPa), so finden sich auf dieser Druckfläche Temperaturunterschiede. Andersherum betrachtet finden sich Druckunterschiede auf einer Fläche mit konstanter Temperatur. Diesen Zustand nennt man "baroklin", und ist in unserer Atmosphäre der Normalfall. Das Gegenteil von Baroklinität ist Barotropie. In einer barotropen Atmosphäre liegen Temperatur- und Druckflächen genau aufeinander und schneiden sich nicht, das heißt eine Druckfläche hat überall dieselbe Temperatur. Dieser Zustand ist in der Realität eher selten, kommt aber durchaus - bevorzugt in tropischen Gebieten - vor.

Eine Druck- oder eine Temperaturfläche bilden nun nicht einfach eine glatte Ebene, sondern liegen je nach Zustand der Atmosphäre schief auf verschiedenen Höhenniveaus. Die Neigung dieser Flächen nimmt mit der Höhe zu. Man kann sich dazu vorstellen, dass sich die Neigung der verschiedenen Druckflächen mit zunehmender Höhe "aufsummiert". Die Atmosphäre möchte nun diese "Ungleichheit" beseitigen, und das tut sie in Form des sogenannten geostrophischen Windes. Der geostrophische Wind weht umso stärker, je geneigter eine Druckfläche ist. Das heißt, dass der geostrophische Wind mit der Höhe zunehmen muss. Seine maximale Geschwindigkeit erreicht er knapp unterhalb der Tropopause in etwa 10 bis 12 km Höhe. Dieses Windmaximum kennt man auch unter dem Namen "Jetstream". Daraus folgt auch: Der Jetstream ist dort besonders kräftig, wo die Atmosphäre stark baroklin ist. Das wiederum ist im Bereich der Frontalzone in unseren Breiten der Fall.

Je nach Schichtung der Atmosphäre weht der geostrophische Wind mitunter aus unterschiedlichen Richtungen. Diese Änderung von Geschwindigkeit und Richtung des geostrophischen Windes mit der Höhe nennt man "thermischen Wind". Der Name leitet sich aus der Tatsache ab, dass je nach Windrichtung warme oder kalte Temperaturfelder herangeführt werden. Diesen Vorgang wiederum nennt man Advektion. Dabei ist eine Linksdrehung des Windes mit der Höhe gleichbedeutend mit der Heranführung von Kaltluft (Kaltluftadvektion) und eine Rechtsdrehung des Windes gleichbedeutend mit der Heranführung von warmer Luft (Warmluftadvektion). Weiterführend ist damit ein Absinken oder Heben von Luftmassen verbunden. Mehr dazu aber in einem der nächsten Kapitel der Kleinen Synoptikkunde.

M.Sc. Met. Felix Dietzsch Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.10.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 
 
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Thema des Tages - Gestern
Thema des Tages von Vorgestern den 21.10.2020
  Windig-Warme JADRANKA  
     
  Das heutige Thema des Tages beschäftigt sich mit dem aktuell wetterbestimmenden Tief JADRANKA.

Es ist ja schon mehrfach angesprochen worden, dass der Tiefdruckkomplex, der aktuell über Westeuropa liegt, bei uns für sehr mildes Herbstwetter sorgt. Wie dem linken Teil der beigefügten Grafik (unter https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/10/21.html) zu entnehmen ist, verfügt die angesprochene Tiefdruckzone gleich über mehrere Kerne. Zum Teil sind dies, zwischen Schottland und Nordirland, die Überbleibsel des Vorgängertiefs IMKA. Es zeigt sich aber auch der Kern des aktuell für uns entscheidenden Tiefs JADRANKA.

Dabei könnte eine wörtliche Übersetzung des Namens JADRANKA - meteorologisch betrachtet - durchaus in die Irre führen. JADRANKA bedeutet nämlich so viel wie "adriatisch" oder "von der Adria stammend", was für "unsere" JADRANKA natürlich nicht gilt. Sie entstand vielmehr gestern auf dem Atlantik südwestlich von Portugal, zog dann über den Nordwesten Spaniens und die Biskaya hinweg und ist aktuell (Stand 21.10.2020, 8 Uhr MESZ) über dem westlichen Ärmelkanal angekommen. Im Weiteren zeichnet sich ein Weg zur Nordsee ab, wo sie heute Nachmittag erwartet wird.

Dabei hat die warme Luft schon den weitaus größten Teil Deutschlands erreicht, was daran zu erkennen ist, dass die von Süd nach Nord ziehende Warmfront (rot) schon fast an der Nordseeküste angekommen ist. Dies war im Süden nach der kalten Nacht allerdings noch nicht so recht spürbar. Im Westen registrierten die Messstationen um 08 Uhr MESZ dagegen schon gebietsweise um die 13 Grad, der Spitzenreiter Mühlheim-Kärlich brachte es schon auf knapp 16 Grad. Und da geht noch mehr: Um die 20 Grad sollen es im Westen und Südwesten, aber auch an der Nordflanke von Erzgebirge und Thüringer Wald werden. Für den Tagesrekord wird dies voraussichtlich aber nicht reichen. Da an den Alpen Föhn einsetzt, wird es dort, zumindest lokal, noch ein bisschen wärmer werden.

Was auf dem linken Teil der Grafik auch zu erkennen ist, ist die recht enge Drängung der schwarz eingefärbten Isobaren, also der Linien gleichen Luftdrucks, über Frankreich, Benelux und dem Westen Deutschlands. Diese finden sich auch im rechten Teil der Abbildung wieder, wobei es sich hier - im Gegensatz zum linken Teil der Grafik - um eine Vorhersage handelt. Auch in der Prognose zeigen sich die Isobaren dicht gedrängt, sie verlaufen allerdings nicht mehr von Süd-Südwest nach Nord-Nordost, sondern eher von Südwest nach Nordost. Diese Änderung der Ausrichtung der Isobaren deutet auf eine Winddrehung von eher südlichen auf mehr südwestliche Richtungen im Tagesverlauf hin, aus der Drängung der Isobaren kann man auf kräftigen Wind schließen.

Entsprechend sind im rechten Teil der Grafik auch die maximalen Böen am heutigen Nachmittag dargestellt. Im Westen und Norden sollen es Böen zwischen 50 und 75 km/h, also steife oder stürmische Böen, werden. Auf den Bergen geht noch etwas mehr. Insbesondere der Föhn auf den Alpengipfeln bläst durchaus mal als schwerer Sturm, und auf dem windanfälligen Brocken kann es auch Orkanböen geben.

Im weiteren Verlauf der Woche nistet sich JADRANKA dann über Skandinavien ein. Damit bleibt es über dem Norden windig, allerdings wird die warme Luft dann allmählich nach Osten abgedrängt. Schon am Freitag ist es - stand jetzt - schon wieder vorbei mit Höchstwerten jenseits der 20-Grad-Marke.

Dipl.-Met. Martin Jonas Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.10.2020

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