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Thema des Tages
Thema des Tages von Gestern den 11.08.2020 - (neu um 11 Uhr)
  Hoch EMIL kontra Tief HEIKE und die schwülheiße Luft  
     
  Die Hitze und einzelne, teils schwere Gewitter prägen bis zum Wochenende das Wetter in weiten Teilen des Landes. Etwas Entspannung kann nur der Nordosten verzeichnen, wo man vorübergehend -zumindest nachts- durchschnaufen kann. Ansonsten leidet der Körper weiter unter der schwülheißen Luftmasse.

Die Wetterlage über Deutschland und weiten Teilen Europas ist derzeit festgefahren. Über West- und Südwesteuropa hat sich dabei tiefer Luftdruck breitgemacht. Einen Schwerpunkt bildet in dieser Tiefdruckzone das Tief HEIKE über Nordostfrankreich bzw. den Beneluxstaaten, die zeitweise auch mit ihren Löffeln in der westdeutschen Wetterküche rührt. Auf deren Ostflanke wird weiter heiße und auch feuchte Luft ins Land gepumpt. Je nach zusätzlicher Sonneneinstrahlung labilisiert sich die untere Troposphäre, sodass vor allem im Westen, Süden und in Teilen der Mitte am heutigen Dienstag im Tagesverlauf die Auslösetemperaturen erreicht und somit der Startschuss für Schauer und teils schwere Gewitter gegeben wird. Als Gegenspieler fungiert aktuell das Sommerhoch EMIL, welches über Skandinavien seine Runden dreht. Er kann sich dann auch bis in den Norden und Nordosten Deutschlands ausdehnen. Durch den stärkeren Hochdruckeinfluss in den genannten Regionen weist die untere Atmosphäre dort verstärkt wieder absinkende Luftbewegungen auf. Einhergehend wird der Wolkenbildung die Energie genommen, sodass von der Nordsee bis zur Oder nahezu ungehindert die Sonne strahlen kann. Ein weiterer positiver Effekt im Nordosten ist die Zufuhr trockener Luft, die auf der Südflanke des Hochs aus Polen heranströmt. Zwar werden tagsüber weiterhin sehr warme bis heiße Temperaturen zwischen 27 und 34 Grad erwartet, aber besonders nachts sorgt die trockenere Luft allmählich für stärkeres Abkühlen. Entsprechend sinken die Tiefstwerte etwa östlich der Elbe und abseits von Berlin auf 17 bis 13 Grad ab.

Von der Nordsee bis zu den Alpen wird das Wetter von schwachen Luftdruckgegensätzen geprägt. Weiterer Schwerpunkt für die mögliche Gewitterentstehung kann dabei eine schwache bodennahe konvergente Strömung sein, die sich zwischen der östlichen Strömung auf der Südseite des Hochs und der südöstlichen, teils südlichen Windkomponente auf der Ostseite des Tiefs HEIKE ausbildet (vgl. Link Konvergenz). Zudem sind auch im Südosten einzelne vertikale Umlagerungen zu verzeichnen. Allerdings liegt deren Ursprung überwiegend in den höheren Luftschichten, wo divergente Strömungsbedingungen (Durchschwenken eines Kurzwellentroges) das Aufsteigen von Luft zusätzlich zur diabatischen Komponente befeuert (vgl. Link Konvektive Umlagerungen).

Auch am morgigen Mittwoch ändert sich an der Luftdruckverteilung sowie den Wetterbedingungen nur wenig. Sowohl EMIL als auch HEIKE bleiben nahezu ortsfest. Somit bleibt auch die Ausgangslage vom heutigen Dienstag am morgigen Mittwoch bestehen. Lediglich im Osten und Südosten fehlt nahezu komplett der Antrieb für vertikale Umlagerungen und somit für potentielle Gewitter. Somit ist der morgige Gewitterschwerpunkt etwas weiter nach Westen und Südwesten, etwa von NRW bis zu den Alpen, verschoben. Die Regionen mit einer Gewittertätigkeit am Tage sind auch gleich mit den Gebieten potentiell tropischer Nächte gleichzusetzen. Wolken behindern die Ausstrahlung, sodass in der Westhälfte weiter Tiefstwerte zwischen 23 und 17 Grad den Körper belasten. In der Osthälfte sorgt die etwas vorankommende trockene Luft bei Werten von 18 bis 13 Grad für weitere Entspannung.

Am Donnerstag und Freitag wird es dann interessant. Tief HEIKE mit ihrer Tiefdruckzone kann nun ostwärts vorankommen und das Bundesgebiet für sich einnehmen. Einhergehend steigt von Südwesten her das Gewitterrisiko an. Nahezu in der gesamten Südwesthälfte des Landes kann es in der feuchtheißen Luft ordentlich krachen. Nur der Norden und Osten bleiben vorerst außen vor. *

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.08.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 
 
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Thema des Tages - Gestern
Thema des Tages von Vorgestern den 10.08.2020
  Mit der Hitze kommen die Blitze  
     
 

Die Hitzewelle setzt sich über Deutschland fort. Mit ihr sind auch Gewitter dazugekommen. Wo es heute und in den nächsten Tagen kracht, wird im heutigen Thema des Tages erläutert.

Die Hitzewelle geht in die Verlängerung. Auch über die Wochenmitte hinaus ist in Deutschland schwitzen angesagt! Jedoch sind mit der Hitze auch die Blitze gekommen. Schon am gestrigen Sonntag haben sich in einem breiten Streifen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bis nach Brandenburg und Vorpommern einzelne Hitzegewitter gebildet, die lokal mit unwetterartigem Starkregen, Hagel und teils auch mit schweren Sturmböen einhergingen.

Die großräumige Wetterlage über Europa ist eingefahren. Über Mitteleuropa herrschen geringe Luftdruckgegensätze, die für wenig Bewegung in der Atmosphäre sorgen. Dazu kommt das blockierende Hoch namens EMIL, das es sich über Nordeuropa bequem gemacht hat und uns die atlantischen Tiefausläufer vom Leib hält. Ein nennenswerter Luftmassenwechsel ist somit quasi ausgeschlossen.

Jedoch hat sich über dem Kontinent von Spanien über Frankreich bis nach Deutschland durch die Überhitzung der Landfläche eine schwache Tiefdruckrinne gebildet, die den Namen HEIKE bekommen hat.

Entlang dieser Tiefdruckrinne strömen die Luftmassen zusammen und werden zusehends feuchter. Dadurch können sich einzelne kräftige Hitzegewitter entwickeln, die sich aufgrund schwacher Höhenwinde kaum verlagern und sich an Ort und Stelle als Platzregen entladen. Wie so oft bei solchen Lagen, kann es passieren, dass an einer Stelle Unmengen an Regen fallen und es ein paar Kilometer weiter trocken bleibt.

Deswegen sollte man nicht allzu große Hoffnung in die Gewitter setzen. Sie sorgen für keine Abkühlung und erst recht nicht für den vielerorts dringend benötigten flächigen Regen. Meist dominieren weiterhin Sonnenschein und Trockenheit.

Am heutigen Montag wiederholt sich das Spiel von gestern. Nach kurzer Beruhigung in den Vormittagsstunden (die Gewitter, die noch in Ostdeutschland unterwegs sind, schwächen sich zunächst ab) brodelt es in der Atmosphäre wieder und es bilden sich einzelne starke Gewitter, die örtlich erneut mit heftigem Starkregen zwischen 25 und 50 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel und teils schweren Sturmböen bis 100 km/h einhergehen. Von den Gewittern ausgespart sind die Küstenregionen und die Gebiete zwischen Main und Alpenvorland. Aber auch sonst ist nicht jeder von den Gewittern betroffen.

Sie können sich jederzeit auf unserer Homepage und in der Warnwetter-App informieren. Zur Erinnerung: Die Gewitter sind lokale Ereignisse und daher sind sie weit im Vorlauf schwer vorherzusagen. Im Voraus lässt sich nur allgemein eine Wahrscheinlichkeit bestimmen und die Entwicklung eines bestehenden Gewitters in der nächsten ein bis drei Stunden abschätzen.

Am Dienstag verlagert sich der Gewitterschwerpunkt in die Südwesthälfte Deutschlands. Nordöstlich einer Linie Emsland-Niederlausitz fließt aus dem Hoch EMIL etwas trockenere und stabilere Luft heran, sodass dort keine Gewittergefahr besteht. Am Mittwoch wird die Gewitterluft weiter nach Südwesten abgedrängt, dann sind vor allem die Gebiete von Rheinland-Pfalz über Baden-Württemberg bis nach Bayern von den Gewittern betroffen. Der große Rest kann einen sonnigen Tag genießen.

Die Temperaturen bleiben mit verbreitet 30 bis 37 Grad am Tage und teilweise kaum unter 20 Grad in den Nächten auf hochsommerlichem Niveau. Durch die Schwüle fühlen sie sich nochmal wärmer an. Entsprechend sieht sich das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes aufgrund der anhaltend starken Wärmebelastung gezwungen, die geltenden Hitzewarnungen weiter zu verlängern.

Hinter der Wetterentwicklung zum Ende der kommenden Woche stehen noch einige Fragezeichen. Allerdings deutet sich an, dass die Temperatur nur auf Werte um die 30 Grad sinken wird und wir die Gewitter nicht ganz loswerden.

Dipl.-Met. Marco Manitta Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.08.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 
 
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